Ist SEO tot? Nein – aber die Art und Weise, wie wir SEO betreiben, verändert sich radikal. Ist es SEO 2.0?

Viele Jahre lang basierte SEO auf teilweise fragwürdigen Methoden, um Rankings künstlich zu manipulieren. Diese sogenannten Grey-Hat-Techniken haben in der Vergangenheit funktioniert, aber ihr Einfluss nimmt immer weiter ab. Der Fokus verschiebt sich deutlich.

Früher waren Google-Rankings das absolute Zentrum aller Bemühungen, wenn man mehr Traffic auf seine Website bringen wollte. Natürlich ist das auch heute noch wichtig: Websites, die in den Google-Suchergebnissen weit oben erscheinen, haben immer noch einen enormen Wettbewerbsvorteil.

Doch die Branche verändert sich rasant. Nicht nur Google entwickelt sich weiter – auch Plattformen wie ChatGPT, Perplexity, Copilot, Claude und viele weitere Dienste machen sich auf den Weg, die Aufmerksamkeit der Nutzer auf sich zu lenken. Immer mehr Suchanfragen werden direkt in KI-Systemen beantwortet, ohne dass der User überhaupt noch eine klassische Google-Suche nutzt oder Websites klickt.

Die SEO-Dienstleister nennen sich auf einmal GEO-Experten und plötzlich ist es der Kampf SEO vs. GEO. Doch SEO ist keineswegs am Ende – vielmehr befinden wir uns an einem entscheidenden Wendepunkt. Eine neue Ära, SEO 2.0, beginnt. Die Zukunft gehört denjenigen, die erkennen, wie sich das Verhalten der Nutzer wandelt und welche Bedeutung KI dabei einnimmt.

Wie SEO bislang wirkte

SEO war schon in der klassischen Suchmaschine eine Herausforderung. Was früher vor allem durch Keyworddichte, Backlinks und technische Optimierung funktionierte, entwickelte sich mit der Zeit zu einem komplexen System aus vielen Faktoren: Ladezeiten, WDF*IDF, Core Web Vitals, interne Verlinkung, strukturierte Daten, Local SEO oder Google Business Profiles.

Oft hatte ich den Eindruck, dass sich fast jeder nach dem Lesen einiger Blogartikel und etwas Praxiserfahrung „SEO-Experte“ nannte. Viele sind eher zufällig in dieses Feld geraten, ohne strukturierte Ausbildung. SEO wurde an Hochschulen höchstens am Rande erwähnt, meist im Zusammenhang mit AdWords.

Erst später entstanden Weiterbildungen, Zertifikate und Studiengänge, doch bis heute ist SEO kein klar definierter, eigenständiger Berufsweg. Es ist eingebettet in Bereiche wie Digital Marketing oder Digitale Medien – auch mein eigener Studienschwerpunkt.

SEO ist dynamisch und keine abgeschlossene Wissenschaft. Jeder kann Neues beitragen und Theorien weiterentwickeln – und genau das macht diese Disziplin so spannend.

Warum SEO nicht tot ist

Die Aussage „SEO ist tot“ ist schlicht falsch. Wenn das stimmen würde, könnten wir Optimierung sofort einstellen – und wären online praktisch unsichtbar.

Viele unterschätzen den nachhaltigen Effekt sauberer Optimierung für Suchmaschinen und gleichzeitig auch für KI-Systeme.

SEO bedeutet längst nicht mehr nur, in der klassischen Google-Suche zu ranken. Es geht um technische Grundlagen, strukturierte und verständliche Inhalte, Verweise und Autoritätssignale und darum, überhaupt die Basis zu schaffen, in Systemen wie ChatGPT, Perplexity oder Claude erwähnt zu werden.

SEO entscheidet heute darüber, ob ein Unternehmen sichtbar bleibt und Umsatz generiert – oder stagnieren und im schlimmsten Fall schließen muss. Es ist weit mehr als nur „Seite 1 bei Google“.

Gute Inhalte wirken langfristig, stärken die Marke und bleiben in den Köpfen der Menschen. Wir müssen uns lösen von der reinen Jagd nach Top-Rankings und den zehn blauen Links. Wer nur in diesem alten Wettbewerbsdenken feststeckt, übersieht die Chancen, die außerhalb des Google-Universums entstehen.

Ich spreche aus Erfahrung: Ich bekomme Anfragen über Perplexity, ChatGPT und andere Plattformen – auch mit wenig sichtbaren Google-Rankings.
Und genau dieser Perspektivwechsel ist entscheidend für Unternehmen, Einzelunternehmer und Agenturen, die im Rennen bleiben wollen.

Warum der Kampf um die sichtbaren Positionen im Zeitalter SEO 2.0. wichtig bleibt

Sichtbarkeit in verschiedenen Systemen zu erreichen bedeutet nicht, alles über Bord zu werfen, was wir über SEO gelernt haben. Es geht nicht darum, blind neuen KI-Webinaren und Trendkursen zu folgen, sondern darum, bestehende SEO-Skills zu verfeinern und mit neuen Fähigkeiten anzureichern.

Was ich beobachte: SEO-Arbeit für die klassische Google-Suche spielt auch für KI-Systeme eine entscheidende Rolle.

Dieses Vertrauen der Suchmaschine ist relevant für KI-Modelle.
Technik, Ladezeit, Usability, klare Struktur und Autoritätssignale sind Grundlagen dafür, überhaupt in KI-Antworten wie ChatGPT, Perplexity oder Claude berücksichtigt zu werden.

Schaut euch die SERPs heute an:

  • Local-Maps-Einträge & Bewertungen
  • Produktbilder & Shopping-Ergebnisse
  • Knowledge-Graph und Marken-Erwähnungen
  • Strukturierte Daten und Entity-Signale

All diese Elemente, in denen wir Zeit und Know-how investieren, wirken in die KI-Sichtbarkeit hinein.

Wie wir in KI sichtbar werden – Beispiel: KI-Mode von Google

Schauen wir uns als Beispiel den KI-Mode von Google an. Mitte 2025 gab es viel Unruhe, weil Google seine Suche mit KI-Antworten stark erweitert hat. Manche hatten Angst vor einem kompletten Umbruch. Doch realistisch betrachtet: Google wird die klassische Suche nicht abschalten. Dafür ist sie zu wichtig für das gesamte Ökosystem aus Nutzern, Werbekunden und Websites.

Was sich jedoch verändert:

Der KI-Mode liefert direkte Antworten, die aus Inhalten im Internet generiert werden. Er ist keine komplett neue Suchmaschine, sondern ein zusätzliches Feature innerhalb der bekannten Suche. Und er ersetzt nicht automatisch den klassischen Traffic — aber er verändert, wie wir ihn erhalten.

Die Klickrate hängt stärker als je zuvor vom Suchintent ab:

  • Transaktionale Suchanfragen (z. B. „Nike Running Schuhe kaufen“) werden weiterhin auf Shop-Seiten führen.
  • Dienstleistungen wie „SEO-Agentur“ benötigen Vertrauen, echte Inhalte und Kontaktmöglichkeiten, nicht nur eine Textantwort.
  • Rein informative Inhalte, die generisch sind und keinen Mehrwert bieten, werden wahrscheinlich weniger Anfragen erzeugen, weil die KI sie direkt beantwortet.

Deshalb werden Inhalte, die nur darauf ausgelegt sind, Klicks zu sammeln, immer irrelevanter.
Inhalte mit Expertise, Tiefe und echtem Nutzen gewinnen hingegen an Bedeutung — für Google und für KI-Systeme.

Und hier kommt der entscheidende Punkt: Wer seine SEO-Hausaufgaben gemacht hat, hat einen massiven Vorteil in der KI-Welt. Der zusätzliche Aufwand, um in KI-Systemen gefunden zu werden, ist dann überschaubar.

SEO 2.0 im Zeitalter von KI – worauf es jetzt wirklich ankommt

Wenn ihr die Grundlagen der klassischen SEO bereits beherrscht, müsst ihr im Zeitalter von KI nicht alles neu erlernen. Die Basis bleibt dieselbe: saubere Technik, starke Inhalte, klare Struktur und Autorität. Doch die Schwerpunkte verschieben sich – und damit auch die Art, wie wir Erfolg messen.

Was Inhalte in Zukunft leisten müssen

Im SEO 2.0 Zeitalter reicht ein 08/15-Text voller Keywords nicht mehr aus. Inhalte müssen echte Probleme lösen, statt nur Ranking-Signale zu bedienen. Nutzer erwarten Tiefe statt Oberfläche: konkrete Beispiele, nachvollziehbare Prozesse, Case Studies und belastbare Daten. Inhalte sollen klare Antworten liefern, strukturiert über FAQ-Elemente, How-To-Formate oder Schritt-für-Schritt-Erklärungen.

Erfolgreich ist, wer ein Thema ganzheitlich behandelt und nicht nur einzelne Stichpunkte abarbeitet. Dieses Prinzip nennt sich Topic Authority – wer umfassend Expertise zeigt, wird von Suchmaschinen und KI-Systemen als vertrauenswürdige Quelle eingestuft. Einzigartigkeit, Perspektive und Erfahrung werden damit zum stärksten Differenzierungsmerkmal.

Technische Anforderungen im KI-Zeitalter

Neben starken Inhalten bleiben technische Optimierungen ein entscheidender Faktor für nachhaltige Sichtbarkeit. KI-Systeme und Suchmaschinen müssen Inhalte verständlicher analysieren und einordnen können, und dafür braucht es klare technische Signale. Strukturierte Daten (Schema Markup) und Entity-Definitionen helfen dabei, Themen, Personen, Orte, Produkte oder Organisationen eindeutig zuzuordnen – eine wichtige Grundlage, damit Inhalte in KI-Antworten berücksichtigt werden.

Auch interne Verlinkung gewinnt an Bedeutung: Sie bildet ein Wissensnetz, das Zusammenhänge verdeutlicht und Topic-Authority stärkt. Gleichzeitig bleiben Page Experience, Core Web Vitals, Ladezeiten, Crawlability und saubere Indexierung unverzichtbar.

Oft diskutiert wird aktuell auch die Frage nach LLM.txt-Dateien. Sie können sinnvoll sein, um KI-Systemen gezielt Hinweise zu geben, welche Inhalte besonders wichtig sind – ersetzen aber kein gutes Fundament.

Technik allein bringt keine Rankings, aber ohne Technik funktioniert Sichtbarkeit nicht.

Neue Kennzahlen & Autoritätssignale – die neue Währung

Im KI-Zeitalter reichen klassische SEO-Kennzahlen wie Ranking-Positionen oder Klickrate nicht mehr aus. Neue Metriken kommen beim Backlinkaufbau hinzu, und Unternehmen müssen verstehen, wie KI-Sichtbarkeit gemessen und strategisch gesteuert werden kann. Dazu gehört, wie Prompts aufgebaut werden, welche Inhalte von KI-Systemen bevorzugt zitiert werden und wie oft eine Marke in Antworten erwähnt wird.

Gleichzeitig gewinnen EEAT-Signale (Experience, Expertise, Authoritativeness & Trustworthiness) massiv an Bedeutung, da KI-Systeme bevorzugt Quellen berücksichtigen, die glaubwürdig, fachlich fundiert und vertrauenswürdig erscheinen.

Entscheidend werden Marken- und Autoritätssignale:

  • Brand Mentions & Erwähnungen in Fachartikeln, Interviews oder Social Media
  • Autorenprofile mit belegbarer Expertise und Reputation
  • Backlinks als echte Vertrauenssignale, nicht als Manipulationswerkzeug
  • Online-PR und Thought-Leadership zur Stärkung der Markenbekanntheit

KI bevorzugt Inhalte, denen Menschen vertrauen — deshalb wird Autorität zur entscheidenden Währung für Sichtbarkeit. SEO 2.0 erfordert auch ein Umdenken im Linkaufbau.

OffPage & Linkaufbau im KI-Zeitalter – die neue Währung

Im KI-Zeitalter reichen klassische SEO-Kennzahlen wie Ranking-Position oder Klickrate nicht mehr aus. Neue Metriken kommen hinzu, und Unternehmen müssen verstehen, wie KI-Sichtbarkeit, Prompt-Relevanz und Marken-Erwähnungen analysiert und strategisch genutzt werden. Entscheidend ist nicht mehr nur, ob ihr rankt, sondern wie oft eure Marke, eure Inhalte und eure Experten in unterschiedlichen Kontexten genannt werden.

Damit verändert sich auch die Gewichtung im OffPage-Bereich deutlich:

  • Linkaufbau als Reputationsfaktor statt Manipulationsinstrument
  • Advertorials, Gastbeiträge und Presseberichte zur Stärkung der Glaubwürdigkeit
  • Erwähnungen ohne Link (Brand Mentions), Social Signals und Bewertungen als Autoritätssignale
  • Branchenverzeichnisse, Bewertungsportale & Firmenprofile als Vertrauensbausteine
  • Autorenprofile auf anderen Websites (z. B. Interviews, Expertenbeiträge) zur Expertise-Wahrnehmung
  • DoFollow/NoFollow wird nebensächlichjede qualitativ relevante Erwähnung zählt, sogar Wikipedia-Referenzen

KI bevorzugt Inhalte, denen Menschen und das Web vertrauen.
Damit werden Autorität, Expertise und Markenstärke zur entscheidenden Währung für Sichtbarkeit.

AEO ist nicht SEO – aber ein wichtiger Teil davon

Zum Schluss noch ein wichtiger Punkt: AEO (Answer Engine Optimization) ist nicht das neue SEO, sondern lediglich ein Bestandteil davon. Es geht nicht darum, klassische SEO-Methoden durch AEO zu ersetzen oder alles umzustoßen. Vielmehr müssen wir verstehen, wie Inhalte so optimiert werden, dass sie in Antwortsystemen wie KI-Modellen, Voice-Assistenten und Chat-Interfaces sinnvoll erscheinen können.

Aktuell herrscht in der Branche viel Ahnungslosigkeit, Halbwissen und Spekulation. Viele verbreiten Panik, andere versprechen schnelle Abkürzungen oder verkaufen „KI-Wunderkurse“, ohne die Grundlagen verstanden zu haben. Doch die Realität ist viel einfacher:

  • Wer stabile SEO-Grundlagen beherrscht, hat nichts zu befürchten.
  • Wer echten Mehrwert liefert, bleibt sichtbar — egal ob über Google, KI oder andere Plattformen.
  •  Wer weiterhin manipuliert und oberflächlich arbeitet, verschwindet.

Die Zukunft gehört nicht denen, die am lautesten schreien, sondern denen, die verstehen, was Nutzer brauchen — und Antworten liefern, die wirklich helfen. SEO ist keineswegs am Ende – vielmehr befinden wir uns an einem entscheidenden Wendepunkt. Eine neue Ära, SEO 2.0, beginnt. Die Zukunft gehört denjenigen, die verstehen, wie sich das Verhalten der Nutzer verändert und welche Rolle KI dabei spielt.